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Psychotherapie » Grundinformationen

Grundinformationen

📌Wird nach ICD-11: Störung mit zwanghaften Sexualverhalten
unter den Impulskontrollstörungen diagnostiziert:

A. Es kommt immer wieder zu starkem sexuellem Verlangen bzw. Impulskontrollstörungen und Impulsen, die zu wiederholtem sexuellen Verhalten führen. Mindestens einer der folgenden Punkte trifft dabei zu:

  • Sexuelle Aktivitäten nehmen so viel Raum ein, dass andere wichtige Dinge im Leben (z. B. Arbeit, Familie, Freunde, Hobbys) vernachlässigt werden.
  • Es gibt mehrere gescheiterte Versuche, das Verhalten einzuschränken oder zu kontrollieren.
  • Das Verhalten wird fortgesetzt, obwohl es bereits zu Problemen in Beziehungen, im Beruf oder in anderen Lebensbereichen geführt hat.
  • Das Verhalten wird weitergeführt, auch wenn es kaum oder gar keine Befriedigung mehr bringt.

B. Dieses Verhalten hält seit mindestens sechs Monaten an.

C. Die Schwierigkeiten lassen sich nicht besser durch eine andere psychische Erkrankung (z. B. eine manische Phase oder ADHS) erklären.

D. Das Verhalten verursacht deutliches seelisches Leiden oder schränkt das Leben in wichtigen Bereichen ein. Wenn das Leiden jedoch nur daher rührt, dass die eigenen moralischen Vorstellungen verletzt sind, wird keine Diagnose gestellt.

Pornografie ist heute jederzeit verfügbar. Für viele Menschen bleibt der Konsum unproblematisch. Doch wenn er zur Gewohnheit wird, die Sie nicht mehr kontrollieren können, kann sich daraus eine Abhängigkeit entwickeln. Sie sind damit nicht allein. Und Sie sind nicht machtlos.

🔍 Wie entsteht Pornosucht?

Die Ursachen sind vielfältig – und Sie tragen keine Schuld daran. Ihr Gehirn reagiert auf Reize wie Pornografie mit der Ausschüttung von Dopamin, dem sogenannten „Glückshormon“. Mit der Zeit braucht es immer stärkere Reize, um denselben Effekt zu erzielen. Hinzu kommen oft persönliche Belastungen:

  • traumatische Erfahrungen oder depressive Phasen
  • Stress, Einsamkeit oder familiäre Konflikte
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen oder Druck

Pornografie kann dann zur Flucht werden – ein scheinbar einfacher Weg, um Schmerz oder Leere zu betäuben.

⚠️ Woran erkennen Sie, dass es zu viel wird?

Wenn Sie über mindestens sechs Monate hinweg das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren und darunter leiden, könnten folgende Anzeichen auf eine Sucht hindeuten:

  • täglicher oder exzessiver Konsum, oft begleitet von Scham oder Rückzug
  • das Bedürfnis nach immer extremeren Inhalten
  • langes Suchen nach dem „perfekten“ Video
  • Erektionsprobleme oder Orgasmusschwierigkeiten beim echten Sex
  • Desinteresse an Partnerschaften oder unrealistische Erwartungen
  • emotionale Leere, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen
  • Chaser Effekt – wiederholes Verlangen

Auch körperlich kann sich das bemerkbar machen: Müdigkeit, verminderte Sensibilität, verzögerte Ejakulation. Psychisch sind Scham, Selbstzweifel und Antriebslosigkeit häufige Begleiter.

🔄 Der Teufelskreis – und wie Sie ihn durchbrechen

Viele Betroffene ziehen sich zurück, weil sie sich schuldig oder „falsch“ fühlen. Doch Isolation verstärkt das Problem. Je mehr Sie sich abkapseln, desto stärker wird das Bedürfnis nach Ersatzbefriedigung. Aber: Sie können diesen Kreislauf durchbrechen.

🧭 Erste Schritte zur Veränderung

Der wichtigste Schritt ist, sich selbst ehrlich einzugestehen: „Ich habe ein Problem – und ich möchte etwas ändern.“ Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.

Hilfreiche Wege:

  • Psychotherapie: In einem geschützten Rahmen lernen Sie, mit Auslösern und Emotionen umzugehen
  • Selbsthilfegruppen wie NoFap: Austausch mit anderen, die Ihre Situation verstehen
  • Technische Unterstützung: Software wie Covenant Eyes informiert eine Vertrauensperson bei riskantem Verhalten
  • Reizreduktion: Schrittweise weniger visuelle Stimulation – von Hardcore-Videos zu Standbildern, dann zu inneren Fantasien
  • Neue Quellen für Freude: Sport, Hobbys, soziale Aktivitäten – alles, was Sie wieder lebendig fühlen lässt

❤️ Ziel: Ein gesunder Umgang mit Sexualität

Es geht nicht darum, Ihre Sexualität zu unterdrücken. Sondern darum, sie neu zu entdecken – achtsam, liebevoll, in Verbindung mit echten Menschen. Sie dürfen Nähe und Intimität erleben, ohne sich selbst zu verlieren.

Ich empfehle Ihnen ein Konsumtagebuch zu nutzen:

Siehe: Konsumtagebuch Download

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