Zum Inhalt springen
Psychotherapie » Prävalenz -Studien

Prävalenz -Studien

Diese Studie ist aktuell die wichtigste Referenz für die Prävalenz von Pornography Use Disorder (PUD) in Deutschland, da sie spezifisch auf die neuen ICD-11-Kriterien der „Zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung“ (Compulsive Sexual Behaviour Disorder, CSBD) zugeschnitten ist.

Wobei CSBD sich auf alle sexuellen Verhaltensweisen bezieht wie Prostitution, wechselnde Partner, Cybersex.

PUD bezieht sich exklusiv auf den Konsum von Pornographie.

Eine 2023 im Journal of Behavioral Addictions veröffentlichte Studie von Markert und Kolleg*innen untersuchte erstmals systematisch die psychotherapeutische Versorgungssituation bei Personen mit problematischem bzw. zwanghaftem Pornografiekonsum in Deutschland.

Studiendesign

Die Untersuchung bestand aus mehreren Teilstudien:

  • Repräsentative Onlinebefragung der Allgemeinbevölkerung
  • Befragung von approbierten Psychotherapeut*innen
  • Analysen zur konkreten Versorgungssituation und Therapienachfrage

Ziel war es, Prävalenz, Belastungsausmaß sowie vorhandene und fehlende Behandlungsangebote zu erfassen.

Zentrale Ergebnisse

1. Relevante Prävalenz

Ein bedeutsamer Anteil der Befragten zeigte Merkmale, die mit einer Pornography Use Disorder vereinbar sind. Diese gingen häufig mit:

  • subjektivem Kontrollverlust
  • erhöhtem Leidensdruck
  • Beziehungsproblemen
  • psychischer Belastung

einher.

2. Hoher Behandlungswunsch

Viele Betroffene äußerten den Wunsch nach professioneller Unterstützung. Gleichzeitig berichteten sie Schwierigkeiten, passende Therapieangebote zu finden.

3. Versorgungsdefizite

Unter Psychotherapeut*innen zeigte sich:

  • heterogenes Wissen über PUD
  • Unsicherheit im diagnostischen Umgang
  • geringe praktische Erfahrung in der Behandlung

Die Studie weist damit auf eine erkennbare Diskrepanz zwischen Bedarf und vorhandener Expertise hin.

Bedeutung für die psychotherapeutische Praxis

Die Ergebnisse legen nahe, dass zwanghafter Pornografiekonsum:

  • kein Randphänomen darstellt
  • mit klinisch relevanter Beeinträchtigung verbunden sein kann
  • eine strukturierte therapeutische Auseinandersetzung erfordert

Gleichzeitig zeigt sich ein Fortbildungs- und Spezialisierungsbedarf im Versorgungssystem.

Literatur

Markert, C., et al. (2023). On the current psychotherapeutic situation for persons with pornography use disorder in Germany. Journal of Behavioral Addictions, 12(2), 421–434. https://doi.org/10.1556/2006.2023.00011

​Altersverteilung: Dass jüngere Männer besonders betroffen sind (jeder Fünfte unter 30), deckt sich mit internationalen Beobachtungen zur „Generation Internet“.

​2. Studie Briken et al. (2022) / GeSiD-Studie

​Die GeSiD-Studie ist die umfassendste Untersuchung zur sexuellen Gesundheit in Deutschland seit Jahrzehnten.

​Unterschied zu Markert: Während Markert et al. Spezifisch auf Pornografie fokussierten, untersuchte die GeSiD-Studie das breitere Spektrum des zwanghaften Sexualverhaltens (CSBD). Da Pornografiekonsum die häufigste Manifestation von CSBD ist, sind die Studien gut vergleichbar, erklären aber die leicht unterschiedlichen Prozentzahlen (3,2 % vs. 8,3 %).

​Erhebungsmethode: Der Hinweis auf die Face-to-Face-Umfrage ist wichtig. Bei sensiblen Themen wie Pornsübe geben Menschen in persönlichen Gesprächen oft konservativere Antworten als in anonymen Online-Panels (Social Desirability Bias). Dies erklärt, warum die GeSiD-Zahlen tendenziell niedriger liegen.

Vergleich repräsentativer Studien zur Prävalenz problematischen Pornografiekonsums

Merkmal Markert et al. (2023)                                        Briken et al. (2022) – GeSiD
Fokus Spezifisch Pornografie (PUD)                            Zwanghaftes Sexualverhalten (CSBD)
Methode Online-Panel (n = 2.070)                               Face-to-Face (n = 4.633)
Männer (12-Monate) 8,3 %                                              3,2 %
Frauen (12-Monate) 1,3 %                                                1,8 %
Hauptmerkmal Hohe Belastung bei U30-Männern
burnout

zurück