(Klassifikation der WHO)
Seit 2022 wird die „Zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung“ (Compulsive Sexual Behaviour Disorder, CSBD) offiziell unter den Impulskontrollstörungen geführt. Die in den Studien genutzten Skalen (wie die CSBD-19) übersetzen diese medizinischen Kriterien in messbare Fragen.
Hier sind die vier Kernsäulen, die für eine „wahrscheinliche Diagnose“ in den Studien erfüllt sein mussten:
1. Kontrollverlust (Repetitive Teilnahme)
Dies ist das wichtigste Kriterium. Betroffene schaffen es über einen längeren Zeitraum (meist 6 Monate oder länger) nicht, ihren Pornografiekonsum zu kontrollieren.
- Konkret: Mehrfache erfolglose Versuche, den Konsum zu reduzieren oder ganz einzustellen.
- Studienaspekt: In der GeSiD-Studie (Briken et al.) wurde gezielt gefragt, ob „intensive sexuelle Impulse“ erlebt wurden, denen man nicht widerstehen konnte.
2. Priorisierung (Vernachlässigung des Alltags)
Der Konsum wird zum zentralen Lebensinhalt.
- Konkret: Andere Interessen, soziale Kontakte, berufliche Verpflichtungen oder die eigene Körperpflege werden zugunsten des Pornografiekonsums vernachlässigt.
- Beispiel: Man bleibt nachts länger wach, um Pornos zu schauen, und ist am nächsten Tag unfähig, die volle Leistung im Job oder Studium zu erbringen.
3. Fortsetzung trotz negativer Konsequenzen
Trotz des Wissens um die schädlichen Folgen wird das Verhalten beibehalten.
- Konkret: Auch wenn die Beziehung zerbricht, rechtliche Probleme drohen oder die psychische Gesundheit (z. B. Depressionen, Schamgefühle) massiv leidet, wird weiter konsumiert.
- Wichtig: Das Verhalten wird oft nicht mehr aus Lust, sondern zur kurzfristigen Spannungsregulation (Vermeidung von Stress oder negativen Gefühlen) eingesetzt.
4. Fehlende Befriedigung (Zwanghaftigkeit)
Ein entscheidendes Kriterium für die Abgrenzung zu „hoher Libido“:
- Konkret: Der Konsum bereitet oft keine echte Freude oder sexuelle Befriedigung mehr. Es fühlt sich eher wie ein „Müssen“ als ein „Wollen“ an. Die Betroffenen ziehen oft wenig bis gar kein Vergnügen mehr aus der Handlung selbst.
Abgrenzung: Wann ist es keine Störung?
In beiden Studien wurde streng darauf geachtet, folgende Fälle auszuschließen:
- Moralische Inkongruenz: Wenn jemand sich schlecht fühlt, nur weil Pornos nicht zu seinen religiösen oder moralischen Werten passen, er aber ansonsten volle Kontrolle hat und kein Leid im Alltag erfährt, gilt dies laut ICD-11 nicht als Störung.
- Phasenweise Steigerung: Ein kurzzeitig erhöhter Konsum (z. B. während einer Trennungsphase) ohne langfristigen Kontrollverlust ist ebenfalls keine PUD.

